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Die mittelalterliche Eisenhütte aus dem Genoeserbusch bei Peppange (13./14. Jahrhundert)


Luxemburg war und ist europaweit für seine Eisenindustrie bekannt. Um so erstaunlicher ist daher die Tatsache, dass die Ursprünge dieser Geschichte auch heute noch weitgehend unaufgearbeitet sind. Bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein war die Stahlindustrie der bedeutendste Wirtschaftszweig Luxemburgs und trug entscheidend zum Aufbau des Landes bei. Die fundamentale Kenntnis um die Technik der Produktion von Eisen in speziell zu diesem Zweck errichteten Schmelzöfen ist jedoch wesentlich älter und reicht weit in die Vorgeschichte zurück.

Seit 2002 führt die Westfälische Wilhelms-Universität Münster in einer länderübergreifenden Kooperation mit dem Bauernmuseum Peppange und dem Musée national d´Histoire et d´Art Forschungen zur Geschichte des Eisens in Luxemburg durch. Im Mittelpunkt stand ein Fundplatz aus dem Genoeserbusch bei Peppange, der inzwischen zu den größten hoch- bis spätmittelalterlichen Eisenhütten Europas zählt und ein bedeutendes kulturelles Erbe dieser von Bergbau und Eisengewinnung geprägten Region darstellt. Die verschiedenen Ofentypen der außergewöhnlich fundreichen Eisenhütte dokumentieren stellvertretend für die gesamte Großregion eine technologische Entwicklung vom traditionellen Rennofen zum neuartigen Stuckofen. Sie tragen wesentlich dazu bei, die komplexen Zusammenhänge innerhalb des mittelalterlichen Eisenhüttenwesens, in dem sich über einen Zeitraum von nur wenigen Jahrhunderten eine tiefgreifende technologische Revolution vollzog, besser zu verstehen.

Ausgelöst wurde dieser Entwicklungsprozess vor allem durch den hohen Eisenbedarf, der in Europa im Verlauf des hohen und späten Mittelalters besonders stark angestiegen war. Kleine traditionelle Rennöfen, die seit der ausgehenden Eisenzeit für mehr als 1500 Jahre technisch beinahe unverändert in Gebrauch waren, verloren zunehmend an Bedeutung. Um den hohen Eisenbedarf überhaupt decken zu können, musste stattdessen ein vollkommen neues Verhüttungsverfahren und stark vergrößerte Öfen entwickelt werden. Auch die ersten Hochöfen (sog. Flossöfen), in denen bereits große Mengen flüssiges Roheisen produziert werden konnten, waren eine Erfindung jener innovativen Zeit. Die im Rahmen des Forschungsprojektes gewonnenen Erkenntnisse geben nun erstmalig für Luxemburg einen detaillierten Einblick in diesen, auch für das Verständnis der modernen Eisenindustrie so grundlegenden Entwicklungsprozess, der in den unterschiedlichen Landschaften Mitteleuropas einen jeweils individuellen Verlauf nahm.

Die Eisenhütte aus dem Genoeserbusch war bereits Gegenstand mehrerer Hochschularbeiten unterschiedlicher Fachdisziplinen und wurde im Rahmen von Vorträgen unter anderem an der Universität Luxemburg, dem neu entstehenden Zentrum für Industriekultur in Belval, sowie am Museo Nazionale della Scienza e della Tecnologia "Leonardo da Vinci" (Mailand), dem Deutschen Bergbaumuseum (Bochum) und dem Britischen Museum (London) präsentiert. In Kürze werden die Forschungsergebnisse als reich illustriertes Buch erscheinen, das die Ausgrabungen in anschaulicher Weise aufbereitet und so einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen soll. Mit Hilfe modernster naturwissenschaftlicher Analyseverfahren sowie unter Berücksichtigung geologischer, ökologischer und territorialgeschichtlicher Rahmenbedingungen wurde die Eisenhütte in den vergangenen fünf Jahren rekonstruiert und wieder neu zum Leben erweckt. Der Leser wird so die Möglichkeit erhalten, sich umfassend über diejenigen Menschen und deren Lebensumstände zu informieren, die bereits mehr als ein halbes Jahrtausend vor Arbed und Arcelor/Mittal in Luxemburg qualitätsvolles Eisen in einem hochspezialisierten Verfahren produzierten.

Anschrift des Verfassers:
Michael Overbeck M.A.
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Historisches Seminar, Abt. für Ur- u. Frühgeschichtliche Archäologie
Robert-Koch-Str. 29
D-48149 Münster
eMail: m.overbeck1@freenet.de


© 2007 Michael Overbeck


layoutspacer pixelGenoeserbusch. Zu den Wurzeln der Eisenindustrie in Luxemburg.
Von Michael Overbeck
136 S., mehr als 300 Farbabbildungen, 22 x 24 cm.
Gebunden mit Schutzumschlag.

> weitere Informationen



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Abbildung 01


Blick von Hellange auf den Genoeserbusch.
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Abbildung 02


Blick auf den zentralen Hüttenbereich. Unmittelbar neben einem kleinen traditionellen Rennofen (Ofen 2) wurde ein technisch weiterentwickelter Schmelzofen mit deutlich größeren Dimensionen errichtet (Ofen 1).
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Abbildung 03


Mehr als zweieinhalbtausend Keramikscherben von 36 verschiedenen Krügen, Töpfen und anderen Gefäßen geben zusammen mit verschiedenen Werkzeugfragmenten, zu denen unter anderem ein Wetzstein, ein Spinnwirtel und ein Axtfragment gehören, einen außergewöhnlich komplexen Einblick in das Leben und Wirken der mittelalterlichen Hüttenleute.
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Abbildung 04


Das bisher bedeutendste Fundstück aus Peppange ist eine etwa vier Kilogramm schwere, aus Eisen geschmiedete sogenannte "Windform". Sie ist das metallene Verbindungsstück zwischen Blasebälgen und Ofen, in dem die Nasen der beiden Blasebälge zusammenliefen. Deren Mündungen reichten nicht in den Ofen hinein. Auf diese Weise sollte neben der Gewährleistung eines gleichmäßigen Luftstromes gleichzeitig verhindert werden, dass sich erstarrte Schlacke um den eindringenden Windstrahl sammeln und den gesamten Verhüttungsprozess gefährden konnte. Als archäologischer Fund ist die Windform aus Peppange europaweit bisher einmalig.
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Abbildung 05


Auf solchen Schmiedeherden wurde das aus den Öfen entnommene Eisen (sog. Luppe) im Genoeserbusch zunächst gereinigt und zu Barren geformt. Die Weiterverarbeitung zum Endprodukt (Werkzeug, Gerät, Waffen) wurde erst im Anschluss daran in den umliegenden Dorfschmieden vorgenommen.
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Abbildung 06


Die archäologische Untersuchung alter Eisenhütten erfordert eine spezielle Grabungsmethode, da sich verfahrenstechnisch unterschiedliche Prozesse auf engstem Raum überlagern. Nur so können sowohl verschiedene Arbeitsschritte derselben metalltechnologischen Entwicklungsstufe als auch verschiedene Stufen einer sich weiterentwickelnden Eisenmetallurgie erkannt und zugeordnet werden.
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Abbildung 07


Präsentation der Ausgrabungen durch den wissenschaftlichen Leiter des Forschungsprojektes Herrn Michael Overbeck, Westfälische Wilhelms-Universität Münster (2 v. links).
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Abbildung 08


Besichtigung der Eisenhütte im Genoeserbusch, die unter großem Interesse der Öffentlichkeit in den Jahren 2003 bis 2005 im Rahmen eines internationalen Forschungsprojektes archäologisch untersucht wurde.
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Abbildung 09


An den archäologischen Ausgrabungen der Jahre 2003-2005 waren insgesamt 35 Fachstudenten aus Deutschland, Luxemburg, Frankreich und Polen beteiligt.
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Abbildung 10


Ofen 4 ist einer von insgesamt fünf kleineren Rennöfen mit einem Gesamtdurchmesser von etwa 110 Zentimetern.
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Abbildung 11


Gesamtplan der Eisenhütte aus dem Genoeserbusch
Vergrößerte Darstellung



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